Slobodan Praljak

Sieger Justiz des ITCY: der Kroatische General , Slobodan Praljak trinkt Gift und stirbt

Bosnian Croat general dies after drinking poison in courtroom
The wartime commander of Bosnian Croat forces, Slobodan Praljak, died after he drank poison seconds after a United Nations judges turned down his appe…more…

„Slobodan Praljak ist kein Kriegsverbrecher! Ich weise Ihr Urteil zurück!“ Nach diesen Worten schluckte der 72-jährige Ex-General Gift aus einer kleinen Flasche – Sekunden, nachdem ein Berufungsgericht des Den Haager Kriegsverbrechertribunals für das ehemalige Jugoslawien (ICTY) seine 20-jährige Haftstrafe bestätigt hatte. Der öffentliche Suizid am Dienstag sorgte nicht nur für weltweite Schlagzeilen. Er verursacht in Kroatien auch ein politisches Beben, das die gesamte Westbalkan-Region erreicht.

Kolinda Grabar- Kitaroviç

Die kroatische Staatspräsidentin Kolinda Grabar-Kitarovic brach ihren Island-Besuch ab und würdigte Praljak in einer Ansprache als „Mann, der es vorzog, sein eigenes Leben zu nehmen, statt für Taten zu leben, von denen er überzeugt war, sie nicht begangen zu haben“. Auch die Regierung unter Ministerpräsident Andrej Plenkovic sprach der Familie Praljaks ihr Beileid aus. Das kroatische Parlament hielt am Mittwochmorgen eine Gedenk- und Schweigeminute für Praljak und „für alle Kriegsopfer“. Viele kroatische Medien berichteten ehrfurchtsvoll über den „mutigen Kommandeur mit den drei Diplomen“, in einigen für gewöhnlich kritischen Publikationen war „umstritten“ schon das kühnste Adjektiv für Praljak.

Praljak-Plakat mit der Aufschrift "Unser Held"

AP

Praljak-Plakat mit der Aufschrift „Unser Held“

Doch die Wahrheit lautet: Slobodan Praljak war ein Kriegsverbrecher. Als zeitweiliger Generalstabschef der bosnisch-kroatischen Armee im Bosnienkrieg wusste Praljak nicht nur von Massakern, Morden und Vertreibungen. Er war auch federführender Mittäter des „gemeinsamen kriminellen Vorhabens“ (ICTY), einen Teil Bosnien-Herzegowinas ethnisch zu säubern und Kroatien anzugliedern – ein Unternehmen, das vom damaligen kroatischen Staatspräsidenten Franjo Tudjman befehligt wurde.

In 18 Büchern bastelte Praljak an seiner Helden- und Patriotenrolle

Praljak war eine der vielen auf zweifelhafte Weise schillernden Figuren der Kriege im ehemaligen Jugoslawien. Sohn eines hochrangigen jugoslawischen Geheimdienstfunktionärs, studierte er Elektrotechnik, Philosophie und Theaterwissenschaften und arbeitete lange als Regisseur. Als 1991 der Krieg gegen Kroatien begann, meldete er sich als Freiwilliger und machte in der kroatischen und kroatisch-bosnischen Armee schnell Karriere…

Er war der Mann, auf dessen Befehl hin am 9. November 1993 die weltberühmte Brücke von Mostar zerstört wurde – auf dem Balkan das symbolische Wahrzeichen schlechthin für ein friedliches Zusammenleben von Religionen und Nationalitäten. Nach der Anklage wegen Kriegsverbrechen stellte Praljak sich 2004 dem ICTY freiwillig und saß seitdem in Haft. Im ICTY-Gefängnis Scheveningen schrieb er insgesamt 18 Bücher und bastelte darin an seiner Helden- und Patriotenrolle.

http://www.spiegel.de/politik/ausland/slobodan-praljak-kroatien-wuerdigt-den-kriegsverbrecher-nach-selbstmord-a-1181117.html

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