Der Freikauf der Rumäniendeutschen im Ceausescu Regime

| 18.04.2011 Freikauf der Rumäniendeutschen

: Das Ceausescu-Regime ließ sich für die Ausreise bezahlenWährend der kommunistischen Diktatur in Rumänien (1969-1989) sind über 225.000 Rumäniendeutsche nach Deutschland ausgewandert – das ist bekannt. Weniger bekannt ist, dass sich Bukarest die Ausreisen bezahlen ließ. Verhandlungsführer der Bundesrepublik Deutschland in dieser Angelegenheit war Heinz-Günther Hüsch. Zwei Jahrzehnte nach dem Ende seiner Mission ist er mit seinem Wissen an die Öffentlichkeit gegangen. Hüsch, Rechtsanwalt, war zehn Jahre lang CDU-Abgeordneter im Landtag von Nordrhein-Westfalen, danach 16 Jahre im Deutschen Bundestag in Bonn. Den Auftrag, mit Rumänien über die Familienzusammenführung zu verhandeln, erhielt Hüsch Anfang 1968. In Bonn regierte damals eine große Koalition aus CDU/CSU und SPD. Es folgten SPD/FDP- und CDU/CSU/FDP-Regierungen. Aber welche Couleur die Bonner Koalition auch hatte, Hüsch blieb bis zuletzt bundesdeutscher Verhandlungsführer mit Bukarest. Ein deutliches Zeichen dafür, dass seine Auftraggeber – ursprünglich das Bundesministerium für Vertriebene und Flüchtlinge, später das Bundesinnenministerium – mit seiner Tätigkeit zufrieden waren. Verhandlungspartner Securitate-Offiziere Bildunterschrift: Großansicht des Bildes mit der Bildunterschrift: Heinz-Günther Hüsch verhandelte 20 Jahre für die BundesrepublikMit seinen rumänischen Verhandlungspartnern hat er insgesamt sechs Ausreisevereinbarungen getroffen. Hüschs Verhandlungspartner waren immer Offiziere des rumänischen Geheimdienstes Securitate. Rumänien hat auf dieser Verhandlungsebene bestanden. Ebenso hat es darauf bestanden, dass die getroffenen Vereinbarungen streng geheim blieben. Sollte auch nur das kleinste Detail an die Öffentlichkeit gelangen, so die Drohung der rumänischen Seite, würde sie nicht nur die Gespräche mit Hüsch sofort stoppen, sondern auch die Ausreisen. Rumänien legte großen Wert darauf, in den Vereinbarungen nicht als Vertragspartner zu gelten, weil es nicht zugeben wollte, dass es für die deutschen Aussiedler Geld erhielt. Deswegen sucht man in den Archiven vergebens Formulierungen wie „Vereinbarung zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Rumänien“ oder „Vereinbarung zwischen der Bundesregierung und der Regierung Rumäniens“. Stattdessen mussten die Vereinbarungen immer als Privat-Verträge verfasst werden, beispielsweise zwischen Hüsch und seinem jeweiligen rumänischen Verhandlungspartner. Manchmal wurden sie auch abstrakter formuliert – zwischen der deutschen und der rumänischen Seite. Wie sich Hüsch erinnert, lautete die Definition: „Jeder handelt für seine Seite. Die rumänische Seite legitimiert sich durch Ausreisen. Ich, Dr. Hüsch, legitimiere mich durch Zahlungen. Die Rumänen haben nie gefragt, wer bei mir dahintersteckt. Ich habe nie gefragt, wer auf der rumänischen Seite dahintersteckt.“ Sechs Ausreisevereinbarungen Bildunterschrift: Großansicht des Bildes mit der Bildunterschrift: Die Vereinbarungen wurden inoffiziell festgelegtSeine erste schriftliche Vereinbarung mit der rumänischen Seite traf Hüsch im Frühjahr 1969. Sie wurde in der schwedischen Hauptstadt Stockholm unterzeichnet und war gewissermaßen der Probelauf für die nachfolgenden Vereinbarungen. Es wurde festgelegt, dass das Abkommen über ein Jahr läuft. Rumänien sollte mindestens 3000 Personen ausreisen lassen und von Deutschland für jeden Aussiedler einen bestimmten Pro-Kopf-Betrag erhalten. Entscheidend war die berufliche Qualifikation. Für Aussiedler mit abgeschlossenem Studium standen Rumänien 10.000 D-Mark zu, für Studierende 5000 D-Mark, für alle anderen Personen 1700 D-Mark.

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