Die Uiguren in Albanien aus Guantánamo

Im Exil in Tirana: Fünf Uiguren, die jahrelang unschuldig in Guantánamo gefangen gehalten wurden

Im Exil in Tirana: Fünf Uiguren, die jahrelang unschuldig in Guantánamo gefangen gehalten wurden

DIE ZEIT, 31.12.2008 Nr. 02     [http://www.zeit.de/2009/02/Uiguren]

Manchmal erzählt die Stille eine Geschichte. Die Art und Weise, wie sie plötzlich einbricht, wie das Gespräch versiegt, wie die vier Männer verstummen, als verstünden sie die Frage nicht. Als könnten sie sich nicht erinnern. Sie versuchen dann die Sprachlosigkeit zu überbrücken, sie nippen am grünen Tee, der mehr wärmt als schmeckt, sie drehen eine der verschrumpelten albanischen Orangen in ihren Händen oder hantieren an dem Gasofen, der die Kälte in der leeren Wohnung nicht vertreiben kann.

Guantánamo? Die Geschichte ihrer Zeit in Guantánamo wollen sie nicht erzählen. Wann immer sie sich dem Ort nähern, der zum Synonym für Folter und Rechtlosigkeit geworden ist, weichen Ahmet, Ayoob, Akhabar und Abubakker aus. Sie meiden Gespräche über die Zeit der Gefangenschaft, als ob sie sich ihres Leidens dort zu schämen hätten. Als ob sich nicht diejenigen schämen müssten, die ihnen das angetan haben.

Sie sind unschuldig. Das haben ihnen die Amerikaner bestätigt. Sonst wären sie nicht hier, in dieser ungeheizten Wohnung in Albanien. Viereinhalb Jahre lang haben sie in Guantánamo gesessen, unschuldig, in jedem Verhör haben sie das betont, und sich gefragt, wieso ihnen nach Monaten geglaubt wurde und sie dennoch nicht frei kamen. »Wir suchen ein Land, das euch aufnimmt«, wurde ihnen gesagt. Die Amerikaner gingen davon aus, dass die Uiguren gefährdet wären, wenn sie nach China zurückkehrten. Einen Staat nach dem anderen hatten sie erfolglos angefragt, ob sie die Uiguren aufnehmen könnten. Doch wer staatenlos ist, so erfuhren die Uiguren, ist schutzlos, wem kein Land Rechte garantiert, der verfügt über keine Rechte.

Guantánamo? Wer dort inhaftiert gewesen ist, musste schuldig sein. Warum sonst wären sie dort gewesen. Drei Jahre vergingen auf der Suche nach einem Land, das den Amerikanern glaubte, dass sie unschuldig seien – dann nahm Albanien sie auf. Sie hatten erst »Albania« gehört und »Alemania« gedacht. Deutschland, da wollten sie gerne hin. Als der Irrtum sich aufklärte, waren sie entsetzt. Albanien, da wollten sie nicht hin. Dann wurde ihnen erklärt, dass sie hier eine Chance hätten. Nur hier………

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