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Viele wichtige Dinge, koennen heute schon wegen der mangelhaften Erfahrung der Administration nicht mehr erledigt werden.
Südosteuropa blutet intellektuell aus
02.10.2008 | 18:56 | MARTIN KUGLER (Die Presse)
Zigtausende Forscher haben seit dem Ende des Kommunismus Osteuropa verlassen. Nur Kroatien schaffte es bisher, den Braindrain halbwegs zu stoppen.
wien. Die Situation ist dramatisch: Zigtausende Forscher haben seit dem Ende des Kommunismus und den teils kriegerischen Umwälzungen Osteuropa verlassen. Viele Wissenschaftler haben in EU-Staaten eine neue Heimat gefunden, die meisten sind aber gleich nach Nordamerika gegangen. Zurück kommen nur wenige.
Ihr Know-how geht den Ländern nun bitter ab. Vor allem auch in wirtschaftlicher Hinsicht. Nur ein Beispiel: Serbien hatte in besseren Zeiten Forschungsausgaben von rund 1,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, etwa in der Nähe von so manchem EU-Land. Nun ist die serbische Forschungsquote auf ein Drittel des EU-Schnitts gesunken. Kein Wunder, dass auch die Patentanmeldungen auf einem historischen Tiefstand liegen.
Bindung an Europa wichtig
Doch es besteht Hoffnung, wie das Beispiel Kroatien zeigt. „Kroatien hat es geschafft, vor allem aus Nordamerika kroatische Forscher und Forscherinnen durch Umstrukturierungen an den Universitäten und attraktive Stipendien bzw. Professuren zurückzuholen“, berichtet Barbara Weitgruber, die im österreichischen Wissenschaftsministerium für Auslandskooperationen zuständig ist.
Die Expertin betont, dass die Annäherung an die EU dafür eine wesentliche Rolle spiele. „Die europäische Perspektive ist ein ganz wichtiges Signal“, so Weitgruber. Als „Meilenstein“ sieht sie das aktuelle siebente EU-Forschungsrahmenprogramm, in dem südosteuropäische Länder als gleichberechtigte Partner teilnehmen können. Diese seien „sehr interessiert teilzunehmen“, sagt Weitgruber. Die Erfolgsrate sei freilich unterschiedlich. Länder, die schon lange über andere Kooperationen Forschungsnetze aufgebaut haben, seien bereits erfolgreich.
Alte Netzwerke im Untergrund
Überdurchschnittlich erfolgreich ist etwa Serbien. „In der Wissenschaft war Serbien auch in den sehr schwierigen Zeiten auf Ebene der individuellen Forscher und Forscherinnen europäisch und international ausgerichtet“, berichtet die Expertin. Die serbischen Universitäten versuchen nun bewusst, über EU-Programme für Ausländer attraktiv zu werden – und Serben aus der Diaspora zurückzuholen. Dazu wird derzeit eine Datenbank über die serbischen Forscher aufgebaut, die im Ausland arbeiten. Ein Weg, den übrigens auch Österreich vor fünf Jahren mit Erfolg beschritten hat.
In Serbien kommt noch ein Spezifikum zum Tragen: In Milosevic-Zeiten hat sich das Untergrundnetz „Alternative Academic Education Network“ (AAEN) entwickelt, das unter anderem über den Stabilitätspakt unterstützt wurde. Gefördert wurde dabei vor allem der Austausch junger Forscher. Das Untergrundnetz gibt es bis heute, nur ist es nun eine offizielle Organisation, die – als „Center for Education Policy“ – auch eine Reihe von internationalen Aufgaben übernommen hat, etwa Kooperationen mit der Unesco.
Besonders schlimm ist die Lage in Albanien: Rund 40 Prozent der Wissenschaftler sind seit 1990 emigriert. Die Hälfte der akademischen Auswanderer waren jünger als 40 Jahre alt, zwei Drittel davon Männer. „Es ist die junge Generation, die weggeht“, sagt Weitgruber. Die Folge: Das Universitätspersonal ist hoffnungslos überaltert. Die Politik will gegensteuern. Doch allzu große Hoffnungen macht man sich nicht. Die Behörden rechnen damit, dass man nur 20 Prozent der Ausgewanderten zur Rückkehr bewegen könne. Selbst das wäre für Albanien ein riesiger Schritt nach vorne: 20 Prozent entsprechen rund 4000 Forschern. Zum Vergleich: Derzeit sind an den skipetarischen Unis 3000 Wissenschaftler beschäftigt.
Virtuelle Heimkehr der Elite
Eine etwas andere Strategie verfolgt der junge Staat Montenegro, der viele Fachkräfte in Richtung USA und Kanada verloren hat. Da eine Rückkehr derzeit für die meisten nicht in Frage kommt, versucht man, eine „virtuelle Präsenz“ der montenegrinischen Forscher aufzubauen: durch die Organisation von Fernkursen oder gemeinsamen Seminaren mit nordamerikanischen Universitäten.
Kann die südosteuropäische Forschung vom Standard her überhaupt mit EU-Staaten mithalten? Ja, meint Weitgruber. Zumindest in einigen Nischen. Als Beispiel nennt sie die Seismologie. In Skopje gebe es ein sehr gutes Forschungsinstitut, mit dem auch die österreichische ZAMG eng zusammenarbeitet. Österreich fördert die Kooperation – und erhält im Gegenzug in Echtzeit Daten aus einem Erdbebengebiet.
Österreich spielt bei der Einbindung von Südosteuropa in den europäischen Forschungsraum überhaupt eine sehr aktive Rolle. Im Kosovo beispielsweise versucht ein österreichisches Projekt, Strukturen für ein Forschungs- und Innovationssystem aufzubauen. Die enge Verbindung Österreichs mit Südosteuropa hat auch historische Gründe. Schließlich war Wien für viele angehende Akademiker aus diesen Ländern die erste Anlaufstelle. Bis heute sind Bulgaren beispielsweise die größte Auslandscommunity an der WU Wien.
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