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Archive für 21.11.2007

Das “Scheitern” der orangen “Georg Soros” Revolutionäre in der Ukraine

Thomas Immanuel Steinberg

Odessa - Brody

Kiew schaut in die Röhre

Seit 2001 verbindet eine 674 km lange Ölpipeline den ukrainischen Schwarzmeerhafen Odessa mit der westukrainischen Stadt Brody nordöstlich von Lviv, siehe Karte. Sie sollte die Ukraine und die westlich orientierten Nachbarländer mit kaspischem Öl versorgen und somit von russischen Lieferungen unabhängig machen. Auch ein Löschterminal bei Odessa stand bereit. 

Doch die Verlängerung der Leitung zu den Raffinerien im zentralpolnischen Plock ist bis heute nicht gebaut. Die ukrainische Leitung rostete vor sich hin, bis die Regierung 2004 beschloß, die Fließrichtung umzukehren: Seitdem fließt russisch zugliefertes Öl gegen Transitgebühren von Brody nach Odessa und wird dort in Tanker verladen, zur Weiterfahrt ins Mittelmeer durch den völlig überlasteten Flaschenhals Bosporus. Die orangen Revolutionäre hatten mit Zitronen gehandelt.

Der ukrainischen Wende-Pipeline, ausgelegt auf eine Tageskapazität von 300 000 Barrel (1 Barrel = 159 Liter), war inzwischen Konkurrenz erwachsen, durch die BTC-Leitung von Baku nach Ceyhan mit einer über dreifachen Kapazität von einer Million Barrel pro Tag nach dem Endausbau.


Europäisches Puzzle. Die Meere sind weiß dargestellt.                   Quelle: Wprost

Zur Zeit verfügt das BTC-Konsortium unter US-amerikanisch-britischer Führung über eine Kapazität von 500 000 Barrel pro Tag. Es bemüht sich zusätzlich zum aserischen Rohöl um Auslastung durch den gleichen Stoff wie die Ukrainer: um kasachisches Rohöl. Doch Kasachstan nutzt die kleine kombinierte Pipeline-Eisenbahnverbindung von Baku nach Supsa und Batumi am Schwarzen Meer. (1) Vor allem aber exportiert Kasachstan über die CPC-Pipeline und den russischen Schwarzmeerhafen Noworossijsk. Auch China bekommt kasachisches Öl. Der BTC-Ausbau auf eine Million Barrel, angekündigt für 2008/2009, und dessen Auslastung stehen daher in den Sternen.

Die ukrainischen Leitungsanbieter wollen nun nicht weiter hintan stehen. Auf einer Konferenz im litauischen Vilnius am 10. Oktober 2007 vereinbarten sie mit Polen, Litauen, Georgien und Aserbeidschan (2) die Finanzierung einer Machbarkeitsstudie über die 500-Kilometer-Verlängerung ihrer Leitung bis zum polnischen Plock. Der kasachische Ölminister Sauat Mynbayev indes erkärte bereits auf der Konferenz, Kasachstan werde weiter über Rußland exportieren. Aserbeidschan, obwohl an der Machbarkeitsstudie über die Verlängerung nach Polen beteiligt, steht beim BTC-Konsortium in der Pflicht.

Der Belieferung von Odessa stehen die Kosten des Tankertransports über das Schwarze Meer entgegen. Eine Ölpipeline von Georgien durchs Schwarze Meer nach Odessa wiederum müßte die auf der Karte nicht verzeichnete zweirohrige Ergasleitung Blue Stream kreuzen, die ein Terminal bei Noworossijsk mit dem türkischen Samsun verbindet: offenbar ein großes technisches Problem. 

Von den politischen Turbulenzen in Georgien gar nicht zu reden.

T:I:S, 20. November 2007

Anmerkungen

(1) Chevron to Resume Oil Transportation Via Azerbaijan. Vremya Novostei, March 17, 2006
(2) Ein kurzer deutschsprachiger Pressespiegel von Ria Novosti gibt teilweise die Belange der beteiligten Staaten wieder.

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