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Archive für 15.10.2007

Wenn der Märtyrertod durch Österreichische Verlage verbreitet wird

Die Spur eines Verwirrten

Von Stefan Apfl und Joseph Gepp

Als Asim C. mit zwei Handgranaten die US-Botschaft in Wien betreten wollte, trug er ein Buch bei sich. Wer es aufschlägt, gerät in ein islamistisches Netzwerk, das von Saudi-Arabien über Bosnien bis nach Österreich reicht.
Riad, Sarajewo, Wien: Weg des Dschihads

Riad, Sarajewo, Wien: Weg des Dschihads

© ZEIT online Grafik

Wäre da nicht das Buch, der Fall schiene glasklar. Der gebürtige Bosnier Asim C., 42, betritt am 1. Oktober um 11.30 Uhr den Checkpoint vor der Wiener US-Botschaft. Der Metalldetektor schlägt Alarm. C. trägt in seinem Rucksack zwei Handgranaten, Sprengstoff und etwa 100 Schrauben, die die Schwere des Anschlags noch um ein Vielfaches vergrößert hätten. Er flüchtet und wird vier Straßen weiter von der Polizei gefasst. Später wird man bei C. zu Hause noch ein halbes Kilo Plastiksprengstoff exjugoslawischer Provenienz sicherstellen.

Bei der Vernehmung stellt sich heraus: Der in Tulln wohnhafte C. ist alkohol- und tablettenabhängig, psychisch krank und aufgrund einer Kriegsverletzung in Frühpension. Er stammelt wirres Zeug und beschuldigt den ebenfalls in Tulln lebenden Bosnier Mehmed D., 34, ihm den Rucksack und den Auftrag zu dem Attentat gegeben zu haben. D., der umgehend verhaftet wird, bestreitet die Vorwürfe.

„Wir warten noch auf das psychologische Gutachten“, sagt Gerhard Jarosch, Sprecher der zuständigen Staatsanwaltschaft. „Dann überlegen wir, ob wir ihn für unzurechnungsfähig erklären.“ Ist C. bloß ein Verrückter, der seinen inneren Kampf mit den Vereinigten Staaten auf neutralem Wiener Boden austragen wollte? Vieles deutet darauf hin. Wäre da nicht das Buch in seinem Rucksack.
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Das 212 Seiten dicke, in stark arabisiertem Serbokroatisch verfasste Werk trägt den Titel Namaz u Islamu - „Das Gebet im Islam“. Es ist ein praktischer Leitfaden, wie der fromme Muslim zu beten hat – angereichert mit Ideologie der bedenklichsten Sorte: „Dank sei dem allmächtigen Allah, der alles mit Maß und Ziel richtet und den Ungläubigen eine schmerzhafte Strafe zuführen wird“, lautet der erste Satz. Wenige Zeilen weiter: „Der Grundpfeiler des Islam ist der reine und aufrichtige Glaube, der sich erst im Märtyrertod vollendet.“
Die Autoren dieser Sätze sitzen nicht etwa in einer afghanischen Talibanhöhle oder einer saudischen Koranschule. Sie sitzen in Wien. Als Herausgeber ist der bosnisch-muslimische „Verein zur Förderung der islamischen Kultur in Österreich“ im Impressum vermerkt.

Der Verein residiert in einem zweistöckigen Gründerzeithaus, in dem der islamische Fundamentalismus seine Wiener Dependance haben soll. Keine Klingel, kein Türschild deuten auf die Existenz des Vereins hin. Laut Grundbuch gehört das Haus einer Konvertitin.

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Die Zeit

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