Infos

Sie befinden sich aktuell in den Balkanforum Balkanblog.org Blog-Archiven für den folgenden Tag 16.6.2007.

Links

Archive für 16.6.2007

Im Griff der Dukanovic Mafia: Montenegro

Die Balkanplatte

15.06.2007 15:23 Uhr

15.06.2007 15:23 Uhr

Anzeige
Zwei Dutzend Reisende hocken im Schatten des Vordachs und rauchen. Es ist heiß in der Ebene am Fuß des Moraca-Gebirges, 40 Grad in der Sonne. Der Zug hat Verspätung. „Der Zug kommt schon noch“, beruhigt die Frau hinter dem Schalter. Aber wann? „Warten Sie.“ Eine Uhr hat der Bahnhof nicht, dafür verkauft der Kiosk riesige Hamburger. Als die schnarrende Lautsprecherdurchsage bekannt gibt, dass der Zug auf dem hinteren der zwei Gleise einfährt, laufen die Reisenden quer über das erste Gleis zu den Waggons.

Nur dreimal am Tag hält ein Zug auf diesem Bahnhof, in der jüngsten Hauptstadt der Welt. Der Zerfall eines Staates gebiert Hauptstädte: Ljubljana, Sarajevo, Zagreb. Im Mai vergangenen Jahres verabschiedete sich Montenegro per Volksentscheid von Restjugoslawien, im Juni 2006 nahm die Uno den kleinen Staat auf, Mitglied Nr. 192, Hauptstadt: Podgorica.

Die Stadt liegt nicht an der Mittelmeerküste, sondern landeinwärts, in einer Ebene zwischen den schwarzen Bergen, die dem Land seinen Namen gaben. Die Bahnlinie verbindet die Küste über Podgorica mit Belgrad, eineinhalb Stunden zum Meer, acht bis in die serbische Hauptstadt. Mit gut 150 000 Einwohnern ist Podgorica so groß wie Oldenburg oder Solingen: ein Theater, eine Universität, eine Aluminiumfabrik – keine Oper, keine Philharmonie, kein Jugendzentrum. Das Land selbst verfügt nicht einmal über eine eigene Währung. Stattdessen gilt, mit Duldung der Europäischen Zentralbank, seit 2002 der Euro als offizielles Zahlungsmittel. Vorher zahlte man mit D-Mark.

Es gibt kein Rotlichtviertel in Podgorica, aber viele Grünflächen. Der Njegosev Park, ein verwildertes Idyll ohne akkurate Blumenbeete, reicht bis ans Ufer des Flusses Moraca. Am Rand steht ein Denkmal von Petar II Petrovic Njegos, dem Nationaldichter, der im 19. Jahrhundert Fürst des Landes war. Es ist ein angenehmer Sommerabend, und das „Nikšicko Pivo“-Bier vom Kiosk um die Ecke ist kalt und billig, 1 Euro 80 Cent die Zweiliter-Plastikflasche. An der mächtigen Bronzeskulptur lehnt Dino, 26, Sänger der Band „Autogeni Trening“. Er und seine Musiker treffen sich oft auf ein Bier am Denkmal, die Getränke in den Cafés im Zentrum sind ihnen zu teuer.

……………………
Dragan, seit 25 Jahren Besitzer des Tropicana, schimpft: Mit dem Prozess der Unabhängigkeit sei alles nur schlimmer geworden. Gewonnen hätten durch die Unabhängigkeit nur die „Bliski“,die, die den mächtigen Politikern nahe stehen. Und zwar vor allem durch Privatisierungen einst staatlicher Betriebe, allen voran dem Aluminium-Kombinat KAP, dem größten Industriebetrieb des Landes vor den Toren der Stadt.

Die einst profitablen Betriebe wurden in den 90er Jahren von ihren Direktoren „systematisch ausgeplündert“, so Norbert Mappes-Niedek, der als Publizist seit über zehn Jahren die Entwicklung in Jugoslawien verfolgt und kriminelle Strukturen in seinem Buch „Die Balkan-Mafia“ beschreibt. Politiker oder die Direktoren gründeten Im- und Exportfirmen mit Sitz zum Beispiel in Zypern, um den damaligen Handelsbeschränkungen des Westens zu entgehen. Die Ware wurde zunächst billig an die Privatfirma verkauft, die dann den Exportgewinn einstrich. Über Kredite verschuldeten sich die Staatsbetriebe schließlich gar bei den Im- und Exportfirmen: So wurde auch das Unternehmen Vektra umso reicher, je ärmer das Alu-Werk KAP wurde, bis man es schließlich billig an russische Investoren verkaufen musste. Der Eigentümer von Vektra gilt als persönlicher Freund von Milo Djukanovic, Ex-Premierminister und Architekt der Unabhängigkeit.

In Podgorica bestimmen vor allem familiäre Bindung oder Freundschaften finanziellen Erfolg. „Ähnlich wie in Sizilien hat es der Staat nicht geschafft, die persönlichen Beziehungen zu ersetzen“, sagt der Kenner Mappes-Niedek.
…………………….

Rund 1200 Serben, Albaner und Roma leben in Konik, erzählt er. Konflikte unter den Ethnien gebe es keine. Die Häuser sind illegal und können jederzeit abgerissen werden, Elektrizität zweigen die Bewohner von den städtischen Stromleitungen ab. Arbeiten, sagt Baskim, dürften sie offiziell nicht, stattdessen verdingen sie sich als Schrotthändler oder Tagelöhner.
Tages Spiegel

Iran, muss sich vor dem US - NATO gesteuerten Verbrecher Staat Afghanistan, mittels einer Mauer schützen

Auch Iran reiht sich in die “Gated Nations” ein

Florian Rötzer 16.06.2007

Iran errichtet eine Mauer an der Grenze zu Pakistan, das selbst an der Grenze zu Afghanistan einen Grenzzaun errichten will

Als Ende des letzten Jahrhunderts die Mauer zwischen Ost und West gefallen war, das Wettrüsten eingestellt wurde, die Wirtschaft boomte und das Internet seinen Siegeszug antrat, sah man eine Zeit des Friedens und Wohlstands heraufziehen und das Ende der Grenzen nahen. Es war ein kurzer Traum, dem spätestens die Anfang dieses Jahrhunderts ausgeführten Anschläge vom 11.9. ein Ende setzen, die allerdings eigentlich nur die Decke über mittlerweile bereits wieder neuen Interessen- und Machtverhältnisse und zugrunde liegenden Konflikten wegzogen. Dabei geht es nur an der Oberfläche um den Kampf der Kulturen, sondern um die neue Ordnung der Wohlstandsverteilung.

download

Seitdem werden neue Mauern errichtet, die nicht mehr nur Gebäude und Grundstücke, ganze Wohnanlagen und Stadtteile, sondern wie einst in China auch Regionen und Staaten vor Eindringlingen schützen sollen. Der Trend für den Rückzug hinter Mauern wurde unlängst durch die “technische Sperranlage”, wie es im verschleiernden Politjargon heißt, in Heiligendamm noch einmal symbolisiert, auch wenn sie nur zeitweise für die “gated community” demokratisch gewählter, aber sich vor Protesten abschottenden Regierungschefs errichtet wurde.

Den “Gated Nations”, die sich auf den Landgrenzen ganz oder teilweise wie Israel, Indien, die USA oder die EU, beispielsweise in Melilla und Ceute, mit Sicherheitszäunen und mit Hightech-Wällen abschließen, hat sich nun auch der Iran angeschlossen. Teheran hat im Mai damit begonnen, eine Mauer in der Länge von 700 km von Taftan nach Mand an der Grenze zu Pakistan zu [extern] errichten und damit schon mit Zäunen gesicherte Grenzabschnitte weiter zu schließen. Die Mauer mit einer Höhe von drei Metern und einer Breite von 1 Meter und einem parallelen Stacheldrahtzaun kommt in der Ausstattung allerdings bescheidener als die anderen “technischen Sperren” daher.

Die iranische Mauer an der Grenze zu Pakistan. Bild: Al-Dschasira-Video

Mit der [extern] Mauer will Teheran offiziell den lebhaften Schmuggel vor allem mit Waffen und Drogen unterbinden, der in dieser Region von beiden Seiten aus floriert, sowie illegale Grenzübertritte ([extern] Videobericht von Al-Dschasira auf YouTube). Allerdings verläuft sie mitten durch Belutschistan, eine unruhige Region, die vom Teheran nicht wirklich kontrolliert wird und in der es erst vor kurzem wieder einmal einen Anschlag auf iranische Soldaten gab, bei dem 11 Männer ums Leben kamen ([local] Gestützt auf gesammelte Beweise). Ausgeführt hat ihn wohl die sunnitische Terroristengruppe “Dschundallah” (Jund Allah oder auch Tanzeem Jund Allah li-Mujaheedi al-Sunnah fi Iran), die mit al-Qaida verbandelt sein soll, vielleicht aber auch nur für ein Großbalutschistan kämpft, zu dem Teile in Iran, Pakistan und Afghanistan gehören. Das iranische Regime, dem gerade von amerikanischer Seite, beispielsweise von US-Verteidigungsminister Gates, unterstellt wird, die Taliban mit Waffen zu versorgen, hatte die US-Regierung beschuldigt, die Terrorgruppe zumindest indirekt zu unterstützen, um so den Iran zu destabilisieren ([local] Auch Iran hat “Beweise”).

………………..

http://www.heise.de/tp/r4/artikel/25/25518/1.html