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Neapel: Radio Sender der Mafia
In Neapel wurde ein Radiosender von der Mafia dazu benutzt, geheime Botschaften an Mitglieder zu verbreiten. (Foto: DPA)
Die Mafia-Bosse hören 95,1
Der eine wünschte sich eine neapolitanische Schnulze, doch tatsächlich war das Lied eine verschlüsselte Botschaft. Der andere grüßte einen Freund und informierte in Wirklichkeit über die neuesten Pläne des eigenen Clans: Im Zuge einer Polizeiaktion gegen zwei Clans in einem Vorort von Neapel hat die Polizei Radio Nuova Ercolano ausgehoben, einen Piratensender, mit dem der neapolitanische Birra-Clan einsitzende Mitglieder durch verschlüsselte Botschaften auf dem Laufenden hielt.
Doch nicht nur „Camorristi“, also Camorra-Leute, schalteten in den vergangenen Monaten das Radio auf die Frequenz 95,1, sondern auch die Polizei, welche die Musikwünsche und Grüße aufmerksam verfolgte und mitschnitt.
Die italienischen Zeitungen druckten einige der abgehörten Musikwünsche ab: „Ich wünsche mir das Lied ,La libertà‘ von Lello Amato“, habe sich einmal laut dem „Corriere della Sera“ ein Mann bei Radio Nuova Ercolano gemeldet und diesen Musikwunsch mit einem besonderen Gruß verbunden: „Ich grüße mit dem Lied meinen Bruder Gianni, der wieder in Neapel ist.“
Doch tatsächlich grüßte der Anrufer nach Meinung der Polizei nicht „Gianni“, sondern informierte seine Clan-Leute darüber, dass einer ihrer Männer von einer außerhalb gelegenen Haftanstalt in Neapels Gefängnis Secondigliano verlegt wurde.
Die Idee der Kommunikation über Radiogrüße erschien den Leuten des Birra-Clan offenbar derart genial, dass sie bereits in der Vergangenheit Piratensender aufgebaut hatten, um ihre Knastbrüder zu versorgen: Erst war das Programm von Radio Ercolano Stereo auf das Misstrauen der Polizei gestoßen, dann jenes von Ercolano Centro. Nun hat die Polizei Radio Nuova Ercolano den Stecker rausgezogen.
Am vergangenen Montag durchsuchte die Anti-Mafia-Polizei das Gebäude des Senders. Unmittelbar zuvor hatte sie 54 Mitglieder des Birra-Clans und des Ascione-Clans festgenommen, die sich seit 2003 einen Revierkrieg mit bisher 20 Todesopfern liefern. Nun hört man auf 95,1 keine neapolitanischen Schlager mehr und keine Geheimbotschaften des Birra-Clans. Nur noch friedliches Rauschen. „Papà Buono“ war einer der treuesten Hörer von Radio Nuova Ercolano, auch er wurde bei der Polizeiaktion gegen die Clans verhaftet. Ein paar Mal in der Woche rief der „gute Vater“ mit dem bürgerlichen Namen Vincenzo Oliviero vom Handy aus beim Sender an und wünschte sich ein Lied. „Ich wünsche mir das Lied ,Treffen um neun‘ von Pino Lauro“, sagte „Papà Buono“ einmal ins Telefon, und natürlich spielte man es sofort.
Doch das Lied interessierte „Papà Buono“ wenig. Es war die Verabredung mit einem Clan-Mitglied. Weil aber ein echter Boss nicht nur an Rauschgift, Schutzgeld und Termine denkt, sondern auch an die Laune seiner einsitzenden Gefolgsleute, wünschte sich „Papà Buono“ einmal für einen gewissen „Stefano“ das Lied „Alles geht vorbei“. Die Polizei von Neapel glaubt, er wollte damit einen frisch ins Gefängnis gekommenen Camorrista über die lange Haftzeit hinwegtrösten.
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